Gewässerschutz fängt zu Hause an

Der tägliche Pro‑Kopf‑Verbrauch
an Trinkwasser für Haushalt und Gewerbe liegt zur Zeit bei etwa 170 Liter, wovon
allerdings nur ein geringer Teil, nämlich 2 Liter, wirklich zum Trinken oder
Kochen dient; das meiste Wasser wird verwendet um das tägliche Leben angenehmer
zu gestalten, und zwar :
v
1/3 zum
Baden, Duschen und zur Körperpflege
v
1/3 zum
Toilettenspülen
v
1/6 zum
Wäschewaschen und Geschirrspülen
v
1/6 zur
Autowäsche, zur Gartenberieselung, zum Trinken/Kochen und zu sonstigen Zwecken.
Wasser entnehmen und verbrauchen bedeutet einen
Eingriff in den Wasserhaushalt der Natur.
Gewässerschutz beginnt daher nicht erst bei der
Abwasserreinigung, sondern bei der Sorge den Wasserverbrauch einzuschränken.
Denn,
je weniger Trinkwasser wir verbrauchen desto mehr Wasser wird in den Quellen
belassen zur Speisung von Bächen und Flüssen, zum Vorteil der aquatischen
Lebewesen, besonders bei Niedrigwasser in Trockenzeiten.
Ausserdem :
Trinkwasserversorgung, Warmwasserzubereitung im Haushalt und Abwasserentsorgung
(und Klärung) kosten Energie, tragen also bei fossilen Energieträgern zu
denTreibhausgasemissionen bei. Der Verbrauch von 1.000 Liter Wasser, davon etwa
ein Drittel als Warmwasser, verursacht eine Emission von bis zu 6 kg
Kohlendioxid.

Wasser
soll so wenig wie möglich aufbereitet werden. Enthärter und Phosphatdosierer
soll man, wenn erforderlich, in der Regel nur in Warmwasserleitungen einbauen;
man braucht kein weiches Wasser zum Toilettenspülen !
Enthärter
tragen bei zur Versalzung der Gewässer, Phosphatverbindungen zu deren
Eutrophierung (siehe unter 8).
Ausserdem
kann ein nicht fachgerechter Einbau und mangelhafter Unterhalt von
Enthärtern die hygienische Beschaffenheit des Wassers beeinträchtigen und zu
Korrosionsschäden führen.
Ein
Feinfilter in der Hauptzuleitung und eine Temperaturbegrenzung auf 60° C in der
Warmwasserleitung sind meistens wirksamere Vorsichtsmassnahmen gegen Korrosion
als aufwendige Aufbereitungsverfahren.
Übrigens:
die Wirkung von sogenannten
elektromagnetischen und physikalischen Enthärtern ist umstritten.
HÄRTEBEREICH (d°fr=Französische
Härtegrade) (
°dH=Deutsche Härtegrade) |
AUFBEREITUNG
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1. Sehr weiches Wasser 0 – 9 d°fr 0 – 5 °d H |
In der Regel aggressives
Wasser durch überschüssige Kohlensäure Ausnahme SEBES-Wasser |
Ortophosphat- bzw.
Silikat-Dosierung zur Schutzschichtbildung innerhalb der Rohrleitung. |
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2. Weiches Wasser 9 – 16 d°fr 5 – 9°d H |
Weiches, meist nicht
aggressives Wasser. |
Keine Aufbereitung
erforderlich. |
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3. Mittelhartes Wasser 16 – 25 d°fr 9 – 14 °d H |
Wasser im idealen
Härtebereich. |
Gegebenenfalls
Polyphosphat-Dosierung zur Verhinderung von Verkrustung der
Warmwasserzubereitungsanlage (Durchlauferhitzer). |
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4. Hartes Wasser 25 – 36 d°fr 14 – 20 °d H |
Besonders im
Warmwasserberich kalkabscheidendes Wasser. |
Polyphosphatdosierung
zur Verhinderung von Kalkablagerungen im Warmwasserbereich: Boiler,
Durchlauferhitzer und Verteilung. |
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Sehr hartes Wasser >36 d°fr >20 °d H |
Stark kalkabscheidendes
Wasser |
Polyphosphatdosierung
oder Enthärter (Ionenaustauscher) zur Komfortverbesserung. Anschließend
Verschnitt mit nicht enthärtetem Wasser und Passivierung durch Orthophosphat
zur Vermeidung von Korrosion. |
Ist das
öffentliche Kanalisationsnetz nicht an eineZentralkläranlage angeschlossen,
müssen alle häuslichen Schmutzwässer
aus Aborten,Waschküchen, Baderäumen, usw. in einer Hauskläranlage vorgereinigt werden,
nur Regenwasser gehört nicht in dieselbe.
Die
Klärgrube ist mindestens einmal jährlich zu entleeren!
Besteht
kein Anschluss an ein öffentliches Kanalisationsnetz, muss das in einer
Klärgrube vorgereinigte Abwasser in der Regel einer weiteren Reinigung
zugeleitet werden (Untergrundverrieselung, Sickerschacht, usw.) Über Art und
Grösse berät Sie die zuständige Gemeindeverwaltung oder die Wasserwirtschaftsverwaltung.
Bei einem späteren Anschluss muss die Hauskläranlage kurzgeschlossen werden.
Feste Abfallstoffe wie z. B. Windeln, Rasierklingen, Zigarettenkippen,
usw. gehören in den Mülleimer. Sie dürfen nicht in die Kanalisation gelangen,
wo sie zu Verstopfungen führen. Ausserdem kann die spätere Verwertung des
Klärschlammes beeinträchtigt werden.
Textilien
gehören in den Textilcontainer; leere Verpackungen zur Getrenntsammlung im
Recyclingpark.
Speisereste,
Küchenabfälle, Kaffeesatz, usw. gehören am besten auf den Kompost, sie sollen nicht
über Zerkleinerungsgeräte (Broyeurs) in die Kanalisation geleitet werden.
Zementwasser führt zu Kanalisationsverstopfungen; deshalb Absetzgruben
benutzen oder in Gefässen aushärten lassen und mit Schutt entsorgen.
Fette
und Öle dürfen nicht in die Kanalisation gelangen. Mit dem Ballast des
Abwassers verfestigen sie sich zu einer zähen Masse die zur Verstopfung der
Abwasserleitung führt.
Fette
und Öle sind in Originalgefässen oder in beschrifteten Flaschen als Sonderafball
im Recyclingpark oder bei der „Superdreckskëscht“ zu entsorgen.
Thinner,
Benzin, Farbreste, usw. enthalten Gifte und chemische Schadstoffe welche im
Kanalnetz zu Explosionen führen können und des weiteren auch die biologische
Reinigungsstufe in der Kläranlage stören; kaufen Sie daher nur die notwendigen
Mengen!
« Eau‑de‑Javel»,
Salzsäure, Laugen, usw., sowie Spritzmittel sparsam gebrauchen, da sie Schaden
an der Kanalisation, in der Kläranlage und in dem Gewässer bewirken können.
Bei Verstopfung
des Beckenabflusses in Bad und Küche hilft meistens auch ein Gummisaugnapf!
Reste
von Lösungs‑ und Reinigungsmitteln, von Haushaltschemikalien oder von
alten Medikamenten bringen Sie zur Annahmestelle für Sonderabfälle
("Superdreckskëscht").
Setzen
Sie im Winter kein Streusalz ein, es schadet unseren Pflanzen und Bäumen. Es
erhöht die Salzkonzentrationen im Abwasser und kann das Grundwasser gefährden.
Auch an Kraftfahrzeugen kommt es zu Karosserieschäden durch Korrosion.
Auch
von harnstoffhaltigen Streumitteln ist abzuraten da diese zu einer Ammoniak‑Belastung
der Flussgewässer und zu einer Erhöhung des Nitratgehaltes im Grundwasser
führen können.
Gegen
Glatteis helfen auch umweltfreundliche Streumittel wie Sand, Sägemehl oder
Splitt.
Um das
Abwasser nicht übermässig zu belasten, soll man sparsam mit Wasch‑ und
Spülmittel umgehen. Mehr Waschmittel bedeutet nicht mehr Sauberkeit.
Der Phosphatgehalt der
Waschmittel wird in den Kläranlagen nicht abgebaut und führt in den Gewässern
zu einer Überdüngung (Eutrophierung) die ein übersteigertes Wachstum der Algen
und Grünpflanzen bewirkt. Da diese sich nach ihrem Absterben zersetzen, und
dabei ein grosser Teil des gelösten Sauerstoffs verbraucht wird, kommt es zu
einer sekundären Verschmutzung in Bächen und Seen.


Die
Natur ‑ Wälder und Wiesen, Fluss und Seeufer ‑ sind auf keinen Fall
Waschplätze für lhren Wagen.
Waschen
Sie Ihr Auto nicht jede Woche und verzichten Sie in Trockenzeiten ganz auf die
Autowäsche!
Wagenwaschen
nur auf Garagenplätzen mit Ablauf in die Kanalisation oder in Waschanlagen, wo
das Waschwasser grösstenteils wiederverwendet wird.

Gebrauchtes Motorenöl gehört in
die Altölsammelstelle („Superdreckskëscht“).
Wussten
Sie schon, dass die meisten Gewässer‑verschmutzungen durch Öl geschehen ?
Achten Sie beim Befüllen
Ihres Heizöltanks darauf, dass dieser nicht überfüllt wird, da das Ôl durch das
Entlüftungsrohr oft unbemerkt nach aussen entweichen kann.
Oberirdische Tanks müssen in dichten Auffangwannen stehen welche ein Fassungsvermögen
haben, das
mindestens dem Tankinhalt entspricht. Hand auf's Herz,
ist die Ziegelwand in lhrem Heizungskeller tankseitig
verputzt und abgedichtet ?
Unterirdische
Tanks müssen doppelwandig sein und mit einer Leckanzeige versehen sein. Lassen
Sie unterirdische Tanks in den vorgeschriebenen Zeitabständen auf Dichtheit
prüfen!
Befestigte Flächen leiten das Regenwasser rasch ab und tragen zu
Hochwasserereignissen bei. Garageneinfahrten, Hofflächen, Gehwege u.ä. soll man
wenn immer möglich ohne Betonunterbau anlegen; in Sand verlegte Platten und
Pflaster mit grünen Fugen, Rasengittersteine oder Schotterrasen tun meistens
den gleichen Dienst und ermöglichen die Versickerung des Regens ins Erdreich (Grundwasserneubildung).
Unverschmutztes Regenwasser kann auch direkt mittels
Rohr- oder Rigolenversickerung, mit oder ohne zusätzlichem Wasserspeicher, in
den Boden versickert werden.
Regenwassersammelanlagen (mit einem
Mindestfassungsvermögen von 3.000 Liter pro Wohnung) erlauben nicht nur
wertvolles Trinkwasser beim Toilettenspülen oder Autowaschen einzusparen,
sondern verzögern auch den Regenablauf von den Dachflächen und entlasten somit
die Kanalisation.
Pflanzenschutzmittel, wenn überhaupt, dann nur mässig gebrauchen; ein tausendstel
Gramm reicht aus um 10 Fuder Grundwasser untrinkbar zu machen!
Für
übermässigtes Düngen gilt ähnliches: Ein Kilogramm Stickstoffdünger, zur
falschen Zeit ausgebracht (und im Boden zu Nitrat umgewandelt) kann etwa 100
Fuder Grundwasser unbrauchbar zum Trinken machen. Deshalb : im Kleingarten
nicht auf Quantität sondern auf „Bio“-Qualität hinarbeiten, auch im Sinne eines
besseren Gewässerschutzes.
Im Sommer auf das Besprengen des Rasens verzichten;
auch ein durch Trockenheit strapazierter Rasen erholt sich beim nächsten Regen
wieder. Sattgrüner, kleefreier Zierrasen ist nicht unbedingt „grün“, sondern
gleicht eher einer „grünen Wüste“.
Zum Begiessen von Blumen und Gemüse Regenwasser
benutzen! Regentonnen mit entsprechender Auffangvorrichtung kann man mühelos an
fast jedem Dachabflussrohr installieren.
Ein biologisch angelegter Gartenteich ist nicht nur
eine Zierde, sondern gibt auch Einblick in die biologische Vielfalt eines
aquatischen Biotops. Vögel kommen regelmässig zum Baden und zum Trinken. Der
aufmerksame Beobachter der Geschehnisse in einem Gartenteich versteht wieso es
heisst:
Das Leben kommt aus dem
Wasser!
Wasser ist Leben!
